1) Gedichte-Eine Verdichtung des Seins

Abendmond

Ich schaue den silbrigen Mond

Wie er sich halbkuglig am Himmel wölbt

Die Anspannung fließt aus meiner Stirn

Er saugt sie auf

ernährt sich davon

Orangene Sonne – getaucht in Mond

Verglühendes Abendrotgebet

schimmert noch immer ein wenig in der Luft

Dunstige Bergwipfel

Silhouetten hinter Baumkronen

Rücken dort in der Ferne

Der Balkon ist wie ein Garten

wo ich Zuhause bin

Unter Freunden

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Die Nacht

Nach und nach breiten sich die kristallenen Flügel

der Nacht über die Landschaft

Sterne erscheinen von irgendwoher und funkeln um ihre uralte Wette

Anklagend erheben sich Tannenwipfel

Aus der Dunkelheit

Was mag wohl vorgehen dort um diese tiefblaue Zeit

In der Ferne ist eine Eule zu hören

Ihren ruf trägt der leise Nachtwind

Ein Gefühl der einsamen Umgebenheit stellt sich ein

Verlassen

Und doch nicht allein

Augen und Fell, Steine und Pflanzen

Sind überall, nicht alle ganz verborgen

Verzagte Blicke bohren sich in die Dunkelheit

Streicheln das Blau der Atemluft

Es ist als hielte jemand die Zeit einfach an

In diesem Moment ist es Nacht

Eine ungeahnte Frische

Bringt die Lungenflügel in ihren seidenen Bann

Ergreift Besitz von Körper und Geist

Bringt kühle klare Ruhe

Die sich selbst trägt

Kein Gedanke kreuzt ihren Weg

Alles gehört nun der Nacht

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Die Stadtbahn

Heimlich teilen die Sonnenstrahlen das Blau

Wie weit kann ich hinaufsehen

(wie viel) weiter als der Vogel fliegt?

Bahngleise tanzen am Fenster vorbei

Baustellen und Arbeitende leben dort

viel Beton und ein Jägerstand

angeschnittener Wald

schaut mir ins Gesicht

Berge von Muttererde türmen sich auf

um von Menschenhand geformt zu werden

Nun beginnt die Stadt

Alte Backsteinhöfe neben Aluhallen

Oberleitungen staksen in die Luft

grobstoffliche Energieübertragung

Gleich steige ich aus

in die Stadt…

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H 2 0 ?

Tausende Jahre altes Wasser

Ruht in kleinen Molekülen

gerät in Schwung am Wasserfall

Zerspringt in Tausend Teile

vereint im schäumenden Brausen

erreicht es das Meer

Weite umschließt es

gefüllt von Algen und Eis

Fische kreuzen in seinem Weg

der immer in Kreisen führt

Sanfte Wogen türmen sich auf

Zu hohen Reißern —- spiegelnd gleißt ihre Haut

Tubenförmig segelt ein Surfer

im Wind der Tiefe

Möwen kreisen über der Weite

tanzen ihren Reigen der Lüfte

Dicke Robben tummeln sich faul

auf Felsen

Natur sprießt in den Korallen

langsam, sehr langsam

wächst das Land

Um woanders wieder vom Meer verschlungen zu werden

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Heimweg

Flammende Herzen

Zersprießen in bunte Pflanzen

die als Rosen in der Mittagssonne aufgehen

Sich aalen und ihre Blätter bescheinen lassen

Schwach gelbes Sonnenlicht kündet in orangefarbenen Wolken

den Abend im Wasserglas

Leichte Kühle legt sich über die stehende Luft

Winde wehen zart herüber

Zumal es Abend ist so enthält er den ganzen Tag

Habe ich schon mal ein solches Abendrot gesehen…

Wandernde Schleier ziehen sich im Himmelsblau,

Welches immer satter und samtiger wird

strahlen wie glühender Stahl

mit wattigem Hutfortsatz

Quillend türmt sich die Wolke im Wind der Höhe

Der Mond erscheint blass auf der anderen Seite

— Equilibrium —

angefangene Stille welche soviel weckt

ist mir unendliche Gute Nacht Geschichten

die sich in den Sternen spiegeln

— funkeln —

und mich in den Schlaf begleiten

auch der Duft des feuchten Grases begleitet mich auf meinem Weg nach Hause

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Leben

Samstags morgens in einem Marmeladenglas

Verschwindet der Tag hinter der Sonne

Und ich schreibe bunte Kreise auf die Wand

Sonnenstrahlen teilen sich im Gewölbten

Himmel liegt über der Luft

Verschwundene Zwerge bauen leise eine Zysterne

Das feuchte Tropfen des Moos beherrscht die Luft

Saphirene Felsen stehen um ein Gewässer

Welches den Feen ein Ort ist

Seidene Spinnwebenfäden

Ziehen sich tropfenschwanger durch den Nebel

Angehauchte Morgenstimmung

Erscheint mit den ersten Strahlen der Sonne

Durch das Schwarz der Berge

Bricht der erste Morgen

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Plötzliches Verstehen

Wie ein unbeschreibliches Wort

durchfährt mich die plötzliche Erkenntnis

— als stände ich mitten in ihr

und sie in mir

Sie umfasst alles und ist doch nicht fassbar

( I can’t put my finger on it )

Verschiedene Interpretationsgedanken kommen auf

und doch reicht keiner heran

Das Verstehen ist wie ein Zustand

wie das Sein überhaupt

Es kommt in mich wie die Atmosphäre

eines Raumes, den ich betrete

und welche ich weiß

Ohne das jemand etwas gesagt hätte

Was ich auch denke

je mehr ich darüber denke—

Desto mehr verschwimmt es in meinem Geist

Ich kann es nur sein …

Oder nicht sein,

das ist hier die Frage!

Solange ich frage kann ich es sein,

wenn ich Antworte bin ich notwendigerweise beschränkt.
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Tiere

Pfoten und Fell

Haare und Augen

schauen und flehen – werden und gehen

Versammeln sich

Hunde zerfließen auf der Couch

Sanfte Pfotentritte auf Marmorfliesen

leises Schleichen im Wald – echsenschnelle Bewegungen

Käferleichtes Krabbeln –umsummt von Hummeln

im Bann des Honig

schwirrende Lichter in der Nacht

erhellen grün die Dunkelheit

zerstäuben über dunklem Gras

Federflattern kündet den Würmern Verstecken

Haarige Ungestüme im Wald – Borstenbesät

schleimige Spuren ziehen sich über einen Pilz

welchen ein Reh frisst
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Überall Wind

Ich sitze am Bahnhof

— Sommernachts –

Züge passieren mich

Mit geschlossenen Augen

Und ich spüre nur den Wind

Menschen gehen entlang –

Sitzen—unterhalten sich

Doch ich spüre nur den Wind

Nichts anderes ist wichtiger

Wie er meine Ärmel aufbläht

Und in meiner Hose flattert

Ich sitze dort

Und der Wind wiegt mich (in seinen Armen)

Wäre ich eine Feder so flöge ich

Meine Kleidung –alles was an mir hängt

Fliegt schon

In der Geste des Windes

In seiner Bewegungskraft

Trägt er mich mit sich

Und ich sitze doch dort

 

 

 

 

 

 

 

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